Über den Wolken
Vom Malerpinsel in die Stratosphäre
Als ich einen Job bei Air Canada und später bei Wardair ergatterte, katapultierten meine Abenteuer mich endgültig in die Stratosphäre. Das Fliegen in den 60er und 70er Jahren war glamourös, luxury und machte unheimlich viel Spaß.
Ich pflegte spontan nach Montreal zu fliegen, nur um dort zu frühstücken, oder jetteten nach Lust und Laune in tropische Paradiese wie die Bahamas, Jamaika, Miami, Hawaii und auf besuch nach Berlin.
Unsere private Boeing 747
Der unbestrittene Höhepunkt meiner Luftfahrtkarriere ereignete sich jedoch durch einen rein zufälligen, urkomischen Zufall. Meine Frau und ich gingen an Bord eines Wardair-Transatlantikfluges, liefen den Gang einer gigantischen Boeing 747 entlang und stellten fest: Wir waren die einzigen Passagiere an Bord. Wir hatten das gesamte, riesige Flugzeug über dem Atlantischen Ozean komplett für uns allein.
Die Flugzeugbesatzung behandelte uns wie Könige in unserer eigenen privaten, fliegenden Villa. Sie brachten uns erstklassiges Essen, während wir uns auf den freien Sitzen ausstreckten.
Die Flugbegleiter gaben sogar zu, dass sie heilfroh waren, keine 400 gestressten Urlauber bedienen zu müssen. Für ein paar Stunden waren wir nicht bloß zwei Airline-Mitarbeiter auf dem Heimweg – wir waren die absoluten Herrscher des Luftraums.
Ein solches Erlebnis bietet einem das moderne Fliegen garantiert nie wieder.
Neuer Staatsbürger, altes mittelalterliches Schild
Der Tag, an dem ich offiziell kanadischer Staatsbürger wurde, war voller Stolz, Tränen und einer gehörigen Portion Bürokratie. Ich schwor dem Land die Treue, das mich mit offenen Armen aufgenommen hatte.
Doch gerade als ich dachte, meine Verwandlung in einen waschechten Kanadier sei abgeschlossen, warf meine Familiengeschichte eine Kurve ein, die direkt aus dem Tiefland des europäischen Mittelalters stammte.
Durch einen staubigen Brief aus Übersee entdeckte meine Frau, dass meine Familie tatsächlich ein eigenes, eingetragenes mittelalterliches Wappen nebst Ritterschild besitzt.
Stellen Sie sich das vor:
Da sitze ich in meiner kanadischen Vorstadt, schaue Eishockey, esse Poutine und bin im Geheimen der Nachfahre von Typen, die vermutlich in voller Rüstung von Pferden gestoßen wurden.
Jetzt muss ich nur noch herausfinden, ob mir dieses Wappen das Recht einräumt, die örtliche Auffahrt mit einer Lanze zu verteidigen.
Die Rückkehr (Kanadische Braut & Silvester)
Eine kanadische Braut an der Berliner Mauer in 1975
Man sagt, Gegensätze ziehen sich an, aber meine kanadische Braut auf ihre erste Reise nach Berlin mitzunehmen, war ein interkulturelles Experiment der Sonderklasse.
Zuerst zeigte ich ihr die Berliner Mauer – das düstere, betonierte Monster meiner Jugend. Sie stand mit offenem Mund da, unfähig zu begreifen, wie eine Stadt so radikal getrennt sein konnte, während ich ihr erklärte, dass dies eben meine ganz normale Kulisse beim Aufwachsen war.
Doch die wahre Belastungsprobe für ihre Nerven kam am Silvesterabend 2007. Kanadier feiern den Jahreswechsel gemütlich mit einem Glas Sekt und vielleicht ein paar Luftschlangen.
Deutsche hingegen verwandeln jede normale Wohnstraße pünktlich um Mitternacht in eine aktive Kriegszone aus illegalen Böllern und ungelenkten Raketen. Als die ersten Knaller direkt vor unseren Füßen explodierten und der Rauch die Straße verhüllte, wir waren mitten im Trommelfeuer.
Willkommen in Deutschland, Liebling!
Der Ruhestand
Meine Küche ist eine Bäckerei
Als der Tag des Ruhestands kam, warnten mich alle vor der großen Leere. „Was willst du denn den ganzen Tag machen?“, fragten sie.
Nun, die Antwort lautet: Backen.
Und zwar im großen Stil. Nach 15 Jahren im Ruhestand hat sich meine heimische Küche klammheimlich in eine angenehme Traditionsbäckerei verwandelt.
Wenn Sie mein Haus betreten, werden Sie nicht von kanadischem Ahornsirup-Duft begrüßt, sondern von der schweren, glückselig machenden Note frisch gebackener Brote, knuspriger Brötchen. Meine Frau behauptet schon, sie müsse eine Genehmigung vom Gesundheitsamt einholen, weil unser Haus permanent wie eine Backstube im Berliner Stadtzentrum duftet.
Aber hey, wenn man schon im Ruhestand ist, dann sollte man wenigstens dafür sorgen, dass das Leben verdammt gut schmeckt!
„Möchten Sie mehr über den Menschen hinter dieser Geschichte erfahren?
[Weiter zu 'Über den Autor']“
